SÃO PAULO | ZÜRICH

 
SÃO PAULO | ZÜRICH

Fernanda Figueiredo

Fernanda Figueiredo
Rafael Kamada

The visit of Max Bill

31 Aug – 26 Okt 2019

Vernissage
30 August


Kogan Amaro Gallery
Löwenbräu-Kunst. Limmatstrasse, 270
Zürich CH-8005 – Switzerland

The visit of Max Bill – Fernanda Figueiredo

Die Brasilianische Künstlerin Fernanda Figueiredo untersucht in ihrer jüngsten Werkserie den Aufenthalt von Max Bill im Brasilien der 1950er Jahren und den einschneidenden Einfluss, den er auf die Kunstwelt ihres Heimatlandes ausübte. Ihre Gemälde sind eine geistreiche Hommage an den Schweizer Universalkünstler und die konkreten Künstler Brasiliens und stellen auf spielerische Weise den elitären Anspruch der europäischen Avantgarde in Frage. Dabei scheut sie sich nicht davor, die Mystifizierung der europäischen Avantgarde, die Kopien ihrer Modelle sowie den postkolonialen Effekt mitzudiskutieren und weitere Debatten anzuregen. 

Fernanda Figueiredo schafft Collagen in Acrylmalerei, in denen sie ikonische Bildmotive von Max Bill mit Werken konkreter Künstler aus Brasilien spielerisch verbindet. Meist kombiniert sie Bildmotive von mehreren Künstlern in einem Gemälde und zeigt so auf, wie sich Künstler Brasiliens die Ideen und die Bildsprache Bills aneigneten und in eigene Werke überführten. Ihre Werke veranschaulichen somit den Aneignungsprozess, der in den 50er-Jahren in der Kunstwelt Brasiliens geschah.

Im Werktitel vermerkt Figueiredo in der Regel, welche Werke brasilianischer Künstler mit denen Bills kombiniert werden. Ohne Vorwissen sind die zitierten Werke jedoch kaum erkennbar. Die Bildzitate werden oft auf vielfältige Weise vervielfacht. In ihrer Vervielfachung bilden die Bildzitate Muster, die aneinandergefügt oder überlagert werden. Die abstrakten Kompositionen evozieren zuweilen eine Landschaft oder ein Interieur. Jüngst schliesst die Künstlerin ein kontextfremdes Bildelement ein, das ihre spielerisch-humorvolle Haltung unterstreicht. Mit dem Einsatz von tropischen Zimmerpflanzen, die in Europa wie in Lateinamerika in Haushalten allgegenwärtig sind, suggerieren diese Kompositionen imaginäre Innenräume, die ihren eignen Gesetzmässigkeiten zu folgen scheinen.

Das vier Meter breite Hauptwerk der Ausstellung «Taioba», erstellt 2018, evoziert ein imaginäres Museum, das Kunstwerke von Max Bill mit Kunstwerken der Künstlergruppe Ruptura verbindet. Mit ihrer Ausstellung im Museu de Arte Moderna im Jahr 1952 war die neue, so ganz andersartig operierende Kunst in Sao Paulo durchgesetzt. Im Werk «Taboia» finden sich Bildzitate von Geraldo de Barros, Lothar Charoux, Waldemar Cordeiro, Hermelindo Fiaminghi, Judith Lauand, Maurício Nogueira Lima, Luiz Sacilotto sowie Anatol Władysław. Das Gemälde ist nach der gleichnamigen Pflanze benannt, die in Originalgrösse abgebildet ist und in Süd- und Zentralamerika in traditionellen Gerichten verwendet wird.

Fernanda Figueiredo war 1978 in Sao Paulo geboren und wohnt und arbeitet seit 2015 in Berlin. Figueiredo hat in Europa und Brasilien mehrere Einzelausstellungen bespielt. Ihre Werke sind u. a. in der Sammlung des Museu de Arte Moderna in Rio de Janeiro vertreten.